Noch eine Webseite über den Funktionsmodellbau historischer Antriebsmaschinen
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PULVERBESCHICHTUNG
Mit der Oberflächengestaltung meiner Modelle stand ich bisher immer etwas auf Kriegsfuß. Entweder sie blieben nach der Fertigstellung im Rohzustand und vergilbten, oder ich polierte sie und verzögerte damit nur mit viel Mühe den Oxidationsprozeß. Einige Versuche, Farbe zu verwenden oder mit Klarlack das Anlaufen zu verhindern, verliefen auch nicht gerade so, daß ich damit glücklich geworden wäre.

Da kam die Rettung in Form einer Oberflächenbehandlungstechnologie, die in der industriellen Fertigung schon lange praktiziert wird -
die Pulverbeschichtung.

Bei diesem Verfahren werden die Teilchen von farbigen Kunststoffpulvern in einem "Zerstäuber" mit einer positiver elektrischen Ladung versehen, ähnlich der elektrostatischen Aufladung. Das metallische Werkstück erhält eine Verbindung zum negativen Spannungspotential, so daß die Pulverpartikel von der Oberfläche angezogen werden. Sie scheiden sich darauf aus dem "Nebel" sehr gleichmäßig ab und haften daran. Durch Wärmeeinwirkung (180°-250°C), eine Art Einbrennvorgang, schmelzen sie auf der Oberfläche und bilden einen Farbfilm. Nach dem Abkühlen erhärtet die Schicht und bildet einen sehr widerstandsfähigen Schutz. Es gibt Farbpulver in sämtlichen RAL-Farben sowie mit zahlreichen Effekten und Oberflächenstrukturen. Wesentliche Vorteile der Pulverbeschichtung sind die hohe Beanspruchbarkeit der Oberflächen, deren perfektes Aussehen und die sofortige Verwendbarkeit der Teile nach dem Auskühlen. Nachteilig ist der hohe technische Aufwand für Beschichtung und Wärmebehandlung.  

Es gab einige Versuche von findigen Bastlern, diese Technik für den Heimgebrauch zu adaptieren, aber für kommerzielle Zwecke waren sie nicht geeignet. Ich fand schließlich zwei Geräte, die mir schon eher für die unmittelbare Anwendung brauchbar erschienen:

Bengs Modellbau (http://www.bengs-modellbau.de/werkzeug/pulverbeschichten/) vertreibt das WAI Pulverbeschichtungssystem und einige Farbpulver. Bei J & L Oberflächendesign Jörg Käding (http://www.mrpulver.de/product_info.php?products_id=264) bekommt man ein Pulverbeschichtungsset in verschiedenen Ausführungen und diverses Zubehör, wie z. B. Silikonstopfen und Klebeband zum Abkleben.

Ich entschied mich u. a.auch aus Kostengründen für das Gerät von J & L Oberflächendesign. Meine Erfahrungen damit will ich hier jetzt vorstellen, um damit vielleicht auch anderen Oberflächen-Kriegsfußmodellbauern Anregungen zu geben, wie sie aus der Klemme kommen können.
Die Ausrüstung
Die käufliche Grundausrüstung besteht aus den unten gezeigten Teilen. Zusätzlich kann man Silikonstopfen verschiedener Größen sowie temperaturbeständiges Klebeband und Metallhaken zum aufhängen der Teile erwerben. Die Stopfen zum Verschließen von Bohrungen sind sehr zu empfehlen. Anstelle des teuren Klebebandes läßt sich normales Malerband verwenden. Die Haken sind schnell aus Drahtstückchen selbst hergestellt. Zu zusätzlichen Pulverbehältern rate ich, weil man sie bei Farbwechsel bequem ohne Reinigen austauschen kann.
Silikonstopfen und schmales Klebeband
Da die Pulverschicht bei 180° - 250° C eingebrannt werden muß, kommt man ohne einen Wärmeschrank nicht aus. Seine Größe bestimmt die Abmessungen der beschichtbaren Teile.  Ich hatte das Glück, gleich zwei Labor -trockenschränke zu ergattern. Als Behelfs-lösung ist auch die Backröhre eines Elektro-herdes (keinesfalls ein Gasherd) denkbar - aber bitte nicht Mutti's bestes Stück!.
Vor dem Auftragen des Farbpulvers müssen die Teile der gewünschten Oberflächenbehandlung unterzogen werden, beispielsweise durch Sandstrahlen oder polieren. Gründliches Entfetten und Trocknen der Oberfläche ist natürlich auch unerläßlich.

Dann kann es eigentlich losgehen, wenn auch noch die letzten "Ausrüstungsteile" beschafft sind - die
Farbpulver.
Mit dem Gerät werden zwei Pulverproben mitgeliefert. Damit läßt sich der erste Tatendrang vorerst stillen. Andere Farben können die Geräteanbieter ebenfalls liefern, aber die sind nicht gerade billig und die Palette ist begrenzt. Eine viel größere Auswahl, die gesamten RAL-Farben und diverse Effektbeschichtungen, bietet die Firma Abre (http://www.abre-technik.de). Die kleinste Menge - 1kg - wird in einer Folientüte geliefert. Sie reicht vermutlich ein ganzes Modellbauerleben, wenn nicht gerade Monstermaschinen Ziel des Hobbys sind.
Die rote Pulverwolke ist deutlich zu sehen. Ein mit dem Minus-Pol des Gerätes verbundenes Metallstück zieht die feinen Pulverteilchen magisch an und sie lagern sich auf seiner Oberfläche gleichmäßig ab.
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